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Nachbarstreit

Nachbarstreit durch Trampolin

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Wohnungseigentum: Zankapfel „Trampolin“

Kinder hüpfen und springen gern, besonders auf Trampolinen, die die Kraftentfaltung verstärken. Das macht so richtig Spaß, wenn man denn so durch die Luft fliegt und dabei noch das ein oder andere Kunststückchen einbauen kann. Verständlich, dass das auch mit lautem Lachen, bisweilen vergnügtem Kreischen und Rufen einhergeht. Schließlich will man anfeuern und muss auch angefeuert werden.

All dies wird begleitet durch ständig quietschende Trampolinfedern und durch - schon erwartete - Impulsgeräusche, die beim Auftreffen des Körpers auf der Trampolinfläche entstehen. Besonders schön, wenn dies auch noch am Sonntagmorgen oder zu sonstigen Zeiten geschieht, an denen man sich eigentlich auch ein wenig Ruhe wünscht. Ist das Trampolin dann noch unmittelbar vor dem Haus im Ziergarten auf der Rasenfläche aufgestellt, kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr.

Lärmempfindlichere oder ruhebedürftigere Zeitgenossen fühlen sich dann bisweilen schon einmal „gestört“, so auch in dem Fall einer Wohnungseigentümergemeinschaft mit einem entsprechenden Spiel- und Sportgerät unmittelbar vor dem Haus auf der Rasenfläche. Sportbegeisterte und kinderliebe Eltern fechten erbittert gegen die Anhänger der Sonntagsruhe, die neben den Lärmbeeinträchtigungen auch Sitte und Moral gewahrt wissen wollen. Denn, wie haben viele von uns dies noch gelernt? Am Sonntag macht man keinen Krach und verhält sich ruhig und rücksichtsvoll.

Der Fall

Schauen wir zu diesem interessanten Fall, der es immerhin noch in die Berufungsinstanz geschafft hat, auf den Beschluss des Landgerichts (LG) München I vom 20.12.2017 - 1 S 17182/17 WEG, veröffentlicht in IMR 2018, 158:

Die Klage auf Entfernung des nicht fest verankerten Trampolins wird abgewiesen. Denn es überschreitet weder die Grenzen des zulässigen Gebrauchs der Sondernutzungsfläche (§ 14 Nr. 1 WEG) noch die Grenzen der Gemeinschaftsordnung. Die Bezeichnung als „Ziergarten“ schließe die Nutzung des Gartens zum Spielen von Kindern nach dem maßgeblichen objektiv normativen Auslegungsmaßstab nicht aus.

Auch eine bauliche Veränderung durch das Trampolin (§ 22 Abs. 1 WEG) liege nicht vor. Denn ihm fehle eine auf Dauer angelegte feste Verbindung mit dem Boden. Auch ein hohes Eigengewicht, mit dem es vergleichbar unbeweglich werde, sei nicht erkennbar, sodass auch aus diesem Aspekt der Vergleich mit einer baulichen Veränderung ausscheiden müsse.

Rechtsanwalt Dr. Hans Reinold Horst, Hannover / Solingen
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